Deutschland droht ein Ärztermangel

Deutschland droht ein Ärztemangel: Experte schlägt Lockerung des Numerus Clausus vor  –  7.  Rheinischer Kongress für Gesundheitswirtschaft in Köln diskutiert Perspektiven der medizinischen Versorgung

(Köln/Berlin 20.07.2009) – Gesellschaftliche, demografische, wirtschaftliche und medizinökonomische Gelegenheiten stellen eine große Herausforderung dar, wenn es um die Sicherung einer patientengerechten Versorgung in Deutschland geht. Beim 7. Rheinischen Kongress für Gesundheitswirtschaft (2009) referierten neben zahlreichen weiteren Experten der Hauptgeschäftsführer des Marburger Bunds, Armin Ehl. Er sprach über den drohenden Ärztemangel in Deutschland und erläutert die Gründe. Hauptursache für den zukünftigen Ärztemangel ist laut Ehl die Überalterung der Ärzteschaft. Bis 2017 würden 77.000 Ärzte in Rente gehen. Sie hinterließen einen riesigen Mangel, der von den arbeitenden Ärzten nicht ausgeglichen werden könnte. „Auch die Abwanderung vieler Ärzte ins Ausland trägt zum Ärztemangel bei, solange die Arbeitsbedingungen in anderen Ländern attraktiver sind“, erklärte Armin Ehl in einem Vorgespräch mit der RFH-Pressestelle zu seinem Referat anlässlich des 7. Rheinischen Kongresses für Gesundheitswirtschaft.

Hinzu komme die steigende Zahl an Frauen in der Medizin, die Auswirkungen auf die Arbeitszeiten habe. Aktuell liege der Anteil der Medizinstudentinnen bei 61 Prozent. Frauen hätten jedoch oft eine andere Lebenseinstellung als ihre männlichen Kollegen. Für sie sei der Beruf nicht alles, Privat- und Familienleben nähmen einen höheren Stellenwert ein. Geregelte Arbeitszeiten würden immer wichtiger. Dies belegt auch eine Umfrage des Marburger Bundes im Rahmen der Kampagne „Für ein familienfreundlicheres Krankenhaus“. Ärztinnen und Ärzte hätten in der Vergangenheit zuviel gearbeitet. 90 Prozent der Klinikärzte arbeiteten nach dieser Untersuchung 50 bis 80 Stunden in der Woche. „Der Trend geht eindeutig dahin, diese Arbeitszeiten zu reduzieren und familienfreundlicher zu gestalten“, stellte Ehl heraus.

Einen wichtigen Lösungsansatz sah Ehl darin, die medizinischen Fakultäten für geeignete junge Menschen zu öffnen, denen der Weg durch den hohen Numerus Clausus bisher noch versperrt sei. Es müsse mehr Medizinstudenten geben, ohne dass es zu Qualitätseinbußen komme. Zusätzlich sollte man den Dialog zwischen Medizinstudenten und Universitäten intensiv fördern, um dem negativen Trend im Praktischen Jahr (PJ) entgegenzuwirken. Denn heute nehmen nach dem PJ rund 20 Prozent der Medizinstudierenden keine kurative Tätigkeit auf.

Der 7. Rheinische Kongress für Gesundheitswirtschaft „Gemeinsam die Zukunft gestalten“ bot die Möglichkeit, sich aus erster Hand über die aktuellen politischen, sozialen und wirtschaftlichen Themen des gesamten Gesundheitswesens zu informieren. Ziel der hochrangig besetzten Veranstaltung, die Vorträge und Diskussionsrunden sowie 21 nebeneinander stattfindende Sessions mit insgesamt mehr als 80 Referenten umfasste,war der interprofessionelle Meinungs- und Erfahrungs­austausch. Der Fortbildungskongress wird von der Rheinischen Fachhochschule Köln und dem Institut für Medizin-Ökonomie & Medizinische Versorgungsforschung veranstaltet und zählt zu den meistbesuchten medizin-ökonomischen Kongressen Deutschlands. Er richtet sich an niedergelassene Ärzte und Krankenhausärzte, Apotheker, Vertreter aus Politik, Industrie, an das Krankenhaus-Management und Fachleute aus dem Bank- und Versicherungswesen sowie der gesamten Gesundheitswirtschaft.

www.rfh-gwk.de

 

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