Interview mit Open University MBA-Absolventin Irene Adler, General Manager Mori Seiki

Was macht eine erfolgreiche Managerin auf Langstreckenflügen? In der Luft lernt sie für den MBA, auf der Erde setzt sie zum Karriere-Steigflug an. Die zwölfstündigen Flüge nach Asien und manche Abende im Hotel nutzte sie intensiv für ihr MBA-Studium.

Frage: Warum haben Sie eines Tages beschlossen, ein MBA-Studium aufzunehmen?

ǀ Irene Adler ǀ:  Nach dem Abitur habe ich zunächst Sprachen studiert, bin dann ins Marketing eines deutschen Werkzeug­maschinen­­herstellers gekommen, von dem ich 2005 zu meinem jetzigen Arbeitgeber gewechselt bin und habe zu Beginn meines MBA-Studiums das Marketing Europa für diesen  japanischen börsennotierten Werk­zeugmaschinenhersteller geleitet. Bis zu diesem Zeitpunkt war ich ausschließlich in dieser technischen Branche tätig, wenn auch bei zwei unterschiedlichen Unternehmen. Ausschlaggebend waren für mich zwei Faktoren: Ich befürchtete, durch mein Tagesgeschäft einen Tunnelblick zu bekommen – sowohl für die Branche, als auch für meinen Tätigkeitsbereich Marketing. Deshalb wollte ich für die Zukunft vorsorgen, um auch besser über den Tellerrand blicken zu können. Hinzu kam mein Wunsch, berufsbegleitend mein Wissen und meine Führungskompetenz zu erweitern.

Frage: Wie sind Sie beim Auswahlprozess vorgegangen?

ǀ Irene Adler ǀ: Der Auswahlprozess war für mich relativ kurz: Denn ich wollte unbedingt in englischer Sprache studieren. Dabei war es mir auch wichtig, dies an einer mehrfach akkreditierten Universität zu machen. Da ich aber schon zu Beginn meines Studiums beruflich viel unterwegs war, musste ich die Möglichkeit haben, jederzeit flexibel reisen zu können. Zu festen Terminen oder gar mehrmals die Woche in einem Seminar zu sitzen, schied für mich daher aus. Außerdem war ich darauf angewiesen, mir die Lernzeit so einzuteilen, wie es für mich am besten war. Um das Fernstudium zu testen, habe ich zunächst das Certificate in Management an der OU gemacht. Dabei habe ich erkannt, dass ich Job und Studium durchaus miteinander vereinbaren kann und mich danach für den MBA entschieden.

Frage: Wenn Sie heute auf die MBA-Aus­bildung zurückblicken: Was haben Sie für den Job als Managerin gelernt und was von Ihren Kommilitonen aus aller Welt?

ǀ Irene Adler ǀ: Das Verständnis für das „große Ganze“ habe ich erfahren, beispielweise wie Funktionen im Unternehmen miteinander ver­bunden sind, oder wie ich die Anliegen an­de­rer Bereiche und Abteilungen besser ver­ste­h­en kann. In meiner Arbeit habe ich das Glück, für einen Weltkonzern tätig zu sein und daher auch Einblicke in viele andere Abteilungen zu haben. Mein Blick für die Produktion, die Lo­gis­tik oder das R&D ist durch mein Studium geschärft worden. Während des Studiums bin ich auch im Job immer häufiger mit Menschen aus anderen Nationen in Kontakt gekommen, da ich zuerst nur für Europa und später zusätzlich für Asien zuständig war. Seit letztem Herbst leite ich weltweit das Marketing für Mori Seiki. Der rege Austausch mit den internationalen Kom­militonen hat mir die Möglichkeit gegeben, mir ein besseres Bild über die unterschied­li­chen Nationen und die anderen Branchen zu machen. Dadurch habe ich ein besseres Ver­ständnis für Unternehmenskulturen ge­winnen können. Ein ameri­ka­nisches Unter­nehmen wird nun mal anders geführt als ein japani­sches, und in einer Niederlassung in China wird anders gearbeitet als in England. Zwar werden oft die gleichen oder ähnlichen Ma­nagementheorien genutzt, aber die Men­schen ticken anders. Der Aus­tausch mit inter­nationalen Studien­kollegen und parallel dazu meine zunehmend in­ter­nationale Arbeit ha­ben meinen Blick auf Kulturunterschiede geschärft.

Frage: Gibt es denn auch ganz praktische Dinge, die Sie an der OU gelernt haben?

ǀ Irene Adler ǀ: Bei den TMAs (das sind die schriftlichen und benoteten Haus- und Projektarbeiten) haben Studenten ganz klare Vorgaben beispielsweise hinsichtlich der maximalen Wortanzahl, die eine solche Arbeit haben darf und der Gliederung. Aus Deutschland oder Österreich kannte ich dies vorher nicht. Im Studium habe ich gelernt, die Dinge bestmöglich strukturiert auf den Punkt zu bringen. Dies hilft mir heute enorm bei den Berichten an unseren Vorstand, aber auch durchaus bei Präsentationen.

Frage: Inwieweit helfen Ihnen die MBA-Inhalte in Ihrem Job als Marketing Managerin?

ǀ Irene Adler ǀ:  Im Marketing muss man nicht nur das Produkt verstehen, welches man verkaufen will, sondern auch das Unter­nehmen. In meinem Job geht es nicht nur um externes Marketing, sondern auch um internes und um Kommunikation. Dafür ist es sehr hilfreich, die unternehmerischen Zusam­menhänge zu verstehen und dabei Ver­ständ­nis für andere Bereiche innerhalb des Unter­nehmens zu entwickeln. Aber auch für das bessere Verständnis des globalen Marketings waren die MBA-Inhalte sehr nützlich. Denn in den Ländern werden nicht nur unter­schied­liche Sprachen gesprochen, sondern die Menschen – also die Mitarbeiter und die Kunden – leben in unterschiedlichen Kulturen. Das zu berücksichtigen, ist für technisch orientierte Unternehmen im Investitions­gütermarketing genauso wichtig wie im Konsumgütermarketing.

Frage: Gibt es weitere Aha-Erlebnisse aus Ihrem Studium?

ǀ Irene Adler ǀ:  Während meines Studiums hat mein Unternehmen eine strategische Partnerschaft mit einem deutschen Werkzeugmaschinenhersteller begonnen. Ich wurde von unserem Vorstand in das Team berufen, das diesen Merger- und Akquisi­tionsprozess begleitet. Zum einen war ich sehr stolz, eine Aufgabe, die über das Marketing hinausgeht, übertragen zu bekommen. Zum anderen habe ich das aber auch sicherlich meinem MBA-Studium zu verdanken, neben meinem Know-how über mein Unternehmen, in dem ich seit sieben Jahren arbeite und auch meinen Sprachkenntnissen. Letztendlich war die Entscheidung für das MBA-Studium der Schritt in die richtige Richtung, weil es mir gelungen ist, mich über das Marketing hinaus zu entwickeln und meine Erfahrungen in einem internationalen, globalen M&A Prozess zu machen, wo es um die Verantwortung der Unternehmensstrategie geht.

Frage: Welche Studieninhalte haben Ihnen im Job geholfen?

ǀ Irene Adler ǀ: Financial Strategy war für mich ein besonders hilfreiches Modul, auch wenn es sehr anspruchsvoll war. Der Bereich Währungsmanagement zählte auch zu den besonders nützlichen Lerninhalten, um ein global agierendes Unternehmen besser zu verstehen. Das große Strategy-Modul war für mich auch sehr wichtig. Hier wurden viele Modelle vorgestellt, die ich heute anwende oder bereits in meinem Unternehmen ver­wendet wurden, ohne dass ich den eigent­lichen theoretischen Hintergrund kannte.

Frage: Sie arbeiten für einen japanischen Hersteller. Waren bestimmte Studieninhalte besonders geeignet, geschäftliche Abläufe in einem ausländischen Unternehmen besser handhaben zu können?

ǀ Irene Adler ǀ: Japaner denken sehr struk­turiert, in einem technisch orientieren japanischen Unternehmen erst recht. Wäh­rend des Studiums habe ich strukturiertes Denken und Handeln verinnerlicht.

Frage: Können Sie berufstätigen Frauen, ohne wirtschaftlichen Studienbackground, die aber ihren „Marktwert“ steigern wollen, ein MBA-Studium empfehlen?

ǀ Irene Adler ǀ: Ja, auf jeden Fall. Ich glaube aber, dass man vor allem ein MBA-Studium mit der Einstellung machen sollte, etwas für die berufliche und private Persönlich­keits­entwicklung zu tun. Das Studium ist an­strengend, und oft ist es wirklich hart, alles unter einen Hut zu bringen, Wer nur mit dem Gedanken spielt, ausschließlich den Markt­wert zu steigern, der könnte enttäuscht werden, wenn nach dem Abschluss nicht sofort ein neuer Job oder zumindest viele neue Angebote ins Haus stehen. Das, was man persönlich für sich rausholt, zählt.

Das Interview führte Beatrix Polgar-Stüwe, Pressereferat The Open University Deutschland

Video MBA-Graduierungsfeier: www.openuniversity.co.uk/Irene-Adler

Über die Open University Business School:

Die Open University Business School wurde 1984 als wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Open University gegründet. Als größte britische staatliche Universität mit über 260.000 Studierenden ermöglicht sie akademische und be­rufliche Weiterbildung im betreuten Fernstudium. Alle Hoch­schulabschlüsse sind in Deutschland und interna­tional anerkannt. Die Open University Business School gilt als eine der größten dreifach akkreditierten Business Schools in Europa und ist führender Anbieter von MBA-Abschlüssen. Sie verfügt über die drei MBA-Akkreditierungs-Gütesiegel EQUIS, AACSB und AMBA und bietet eine große Auswahl von verschiedenen einführenden Studiengängen bis hin zu Master- und Promotionsstudiengängen an. Die Lehrmethode heißt „Blended Learning“ und beinhaltet eine Mischung aus klassischen Studienbüchern, elektronischen Konferenzsystemen, Internet-Lerninhalten, Online-Tutorien und Präsenzseminaren. www.open.ac.uk/germany

This entry was posted in Open University. Bookmark the permalink.

Comments are closed.