Bundesweite Hybrid-Ausbildung MTA-Labor am RBZ Köln: MTA-Azubis berichten

Screenshot: Online-Unterricht für angehende MTA-L am RBZ Köln. Hybrid-Unterricht gefällt
Screenshot: MTA-Labor Azubis im Online-Unterricht an der MTA-Schule Köln. © RBZ Köln

Nach fünf Monaten Hybrid-Ausbildung zur MTA-Labor sind alle 27 Schülerinnen und Schüler, die bundesweit beteiligten Ausbildungslabore und das RBZ Rheinisches Bildungszentrum Köln rundum zufrieden mit der neuen Ausbildungsform. Das machten MTA-Schülerinnen und Schüler aus ganz Deutschland deutlich.

Im Oktober 2020 startete die neue zweigleisige MTA-L-Ausbildung 2.0. Das Besondere an dem Konzept: In der Ausbildung lernen angehende MTA-L die Theorie vor allem im interaktiven Online-Unterricht von den RBZ-Dozenten während ihrer Arbeitszeit im Ausbildungslabor. Dort absolvieren sie ihre praktische Ausbildung. An der MTA-Schule in Köln nehmen sie an kürzeren Präsenzphasen teil. Während der gesamten dreijährigen Ausbildungszeit zahlen die Fachlabore ein Gehalt. Sie stellen für die theoretische Ausbildung einen Laptop und die praktische Lernumgebung im Labor. Die Azubis erhalten eine Ausbildungsvergütung, von der die Schulgebühren bezahlt werden. Zudem übernimmt einen Teil der Gebühren das Land NRW. Weitere Informationen auf https://mta-schule.de

Freundschaften durch Präsenzphase an der MTA-Schule

Schüler im MTA-Propädeutikum
Schüler*innen im MTA-Labor Propädeutikum
© RBZ Köln

Anfang Oktober absolvierte die Lerngruppe ihr Propädeutikum im Präsenzunterricht „klassisch“, aber mit Masken und Abstand an der MTA-Schule in Köln. „Unsere anschließende Befragung ergab, dass die Schülerinnen und Schüler hoch motiviert und zufrieden waren,“ berichtet Dr. Katrin Scholz, Leiterin der MTA-L-2.0-Ausbildung. Von großem Vorteil sei es auch für die Dozenten gewesen, alle Auszubildenden vor dem Start des Online-Unterrichts zu kennen und die Vorkenntnisse einschätzen zu können. Alle befragten Schülerinnen und Schüler bestätigen: Das persönliche Kennenlernen der Mitschüler und Dozenten war enorm hilfreich. „Wenn man sich kennt, kann man viel besser einschätzen, mit wem man eine Lerngruppe bilden möchten, ohne zurückhaltend sein zu müssen,“ meint Irem (20), Auszubildende im Labor Dr. Wisplinghoff in Köln-Marsdorf. „Meine Mitschüler persönlich kennenzulernen und zu erfahren, warum sie sich für den Beruf der MTA-L entschieden haben“, fand Karina (27), die im Synlab Labor in Trier als Azubi beschäftigt ist, als besonders wichtig. „Zudem können sich beim blockweise erteilten Präsenzunterricht Lehrer ein genaueres Bild machen, was im Labor erlernt wurde oder wo vielleicht noch Lücken sind,“ ergänzt Karina. Auch Selin (23) fand die ersten vier Wochen Schulzeit sehr hilfreich: „Durch den persönlichen Kontakt zu Dozenten und Mitschülern fühle ich mich viel sicherer aufgehoben und aufgeschlossener. Wenn man sich kennt, macht das gemeinsame Lernen im E-Learning gleich mehr Spaß“, sagt die angehende MTA-L aus dem Synlab-Labor in Dachau bei München.

Auch nach dem Online-Unterricht: MTA-Labor Azubis stehen in Kontakt

Gut für die Online-Lernatmosphäre sind Freundschaften: Fast alle Schüler pflegen auch außerhalb des Unterrichts zueinander Kontakt, auch wenn sie auf verschiedene Labore in ganz Deutschland verteilt sind. Sie tauschen sich per Telefon oder Messenger-Dienst aus, manche aber auch persönlich. So beispielsweise Jana (22) aus dem Labor Dr. Quade in Köln. Sie hat im Kölner Labor drei Mitschülerinnen. Während des Online-Unterrichts am Vormittag sitzen sie an ihren Laptops und arbeiten danach oft auch im Labor zusammen. Auch mit einer Mitschülerin aus dem Labor Wisplinghoff sei sie mittlerweile sehr gut befreundet. „Dann können wir uns beide mal nach der Arbeit oder am Wochenende treffen“, freut sich Jana.

MTA-Labor Schüler geben Top-Noten für den Online-Unterricht

Seit Anfang November lernen die 24 Schülerinnen und drei Schüler die Theorie der MTA-L-Ausbildung im digitalen Klassenzimmer per Zoom. Alle Schülerinnen und Schüler sind laut Dr. Katrin Scholz hoch motiviert und nehmen mit großer Begeisterung am Online-Unterricht teil. Die Schüler sagen, dass der interaktive Unterricht und die Kommunikation genauso gut wie beim herkömmlichen Unterricht an der Schule seien. Denis (31) aus dem Synlab-Labor in Leverkusen meint, dass er sich allein oder mit ganz wenigen Präsenz-Mitschülern viel besser auf den Unterricht konzentrieren kann als in einem überfüllten Klassenzimmer. Selin aus Dachau bemerkt, dass es im digitalen Unterricht sogar viel mehr Interaktion mit den Dozentinnen gebe als sonst in der Schule. „Ich bei ein eher introvertierter Mensch, deshalb gefällt mir das E-Learning besonders gut. Hier kann ich meine Lernumgebung bequem gestalten und bin dadurch motivierter und konzentrierter“. Justus (22), aus dem Synlab Labor in Weiden (Oberpfalz) gefällt, dass er auch mal einen schnellen Screenshot von einer Unterrichtsfolie machen kann, weil ihm die Nachbearbeitung dann leichter fällt als ein ganzes Skript durchzuarbeiten. Ein weiteres Plus für MTA-Azubis: „Ob Beinbruch oder Quarantäne, sollten Azubis krankgeschrieben sein, können sie von zu Hause aus am Unterricht teilnehmen“, sagt Dr. Scholz.

Digitale Schulstunden sind anstrengend, haben aber viele Vorteile   

MTA-Schülerin Karina im Labor-Kittel gefällt der Hybrid-Unterricht und die Arbeit im Labor.
MTA-L Azubi Karina aus Trier (Foto: privat)

„Natürlich ist der Unterricht vor dem Laptop etwas anstrengender für die Konzentration als normaler Unterricht“, gibt Karina (27), MTA-L in Ausbildung im Synlab MVZ Trier zu. Aber ein großer Vorteil sei, dass sich Schüler untereinander bei Fragen im Chat oder wenn man mit Mitschülern im Raum sitzt, kurz beratschlagen können, ohne den Unterricht zu stören.

Jana und Irem aus Köln meinen, dass die Gefahr sich ablenken zu lassen, größer sein kann, aber die Vorteile überwiegen. „Ich muss mir keine Sorgen machen, ob ich schnell genug mitschreibe, sondern habe alle Unterlagen auf dem PC und kann nachlesen“, sagt die 22-Jährige Jana aus Köln.

Besonders anfangs fanden alle befragten Schüler den neuartigen digitalen Unterricht anstrengender als den gewohnten Präsenzunterricht. „Zwei Schulstunden mit 90 Minuten Unterricht ohne Pause erfordern hohe Konzentration“, gibt Dr. Scholz zu. In der ersten Woche Online-Unterricht musste auch viel Organisatorisches geklärt und angepasst werden, ebenfalls bei den Laboren vor Ort. „Für unsere Schule bedeutet die digitale Form des MTA-Kurses, die vom Inhalt identisch ist mit der schulischen Ausbildung, auch Neuland“, sagt die Kursleiterin am RBZ Köln. „Aber wir sind sehr stolz, dass alles sehr gut läuft, sodass wir im September 2021 mit der zweiten MTA-L 2.0 Ausbildung starten möchten“, sagt Dr. Scholz.

Worauf Dozenten im digitalen Unterricht für MTA-Labor achten müssen

Anders als im Präsenzunterricht müsse man als Dozent noch genauer auf die „stillen“ Reaktionen der Schüler achten. Oft sehe man diese am Gesichtsausdruck, an einem Stirnrunzeln, aber am Bildschirm nicht immer. „So kann für manche der Online-Unterricht zu schnell sein, darauf muss ich Rücksicht nehmen. Hin und wieder erzähle ich eine interessante Geschichte, wenn ich merke, dass der Stoff zu trocken ist, um Schüler zu motivieren“, resümiert die Dozentin. Besonders müsse man auf die schüchternen Schüler achtgeben. Obwohl die Rededisziplin im virtuellen Klassenzimmer sehr gut sei, gibt es immer wieder scheuere Schüler, die sich nicht so gerne melden und lieber im Chatfenster schriftlich ihre Fragen stellen. Das sei prinzipiell kein Problem, aber all das zu beachten, sei eine Multi-Tasking-Aufgabe im Online-Unterricht, gibt Dr. Katrin Scholz zu.

Corona spielt kaum eine Rolle beim Berufswunsch aber die digitale Unterrichtsform schon

Die Corona-Pandemie war bei den meisten Schülern nicht der Hauptgrund für den Berufswunsch MTA-Labor zu werden. „Mir gefällt der Beruf. Er ist schließlich auch ohne Corona und Pandemie sehr wichtig“, erklärt Denis. Die 20jährige Schülerin Irem hatte bereits zuvor in Labor-Praktika Gefallen an dem Beruf gefunden. Interesse an Medizin, an den Funktionen des menschlichen Körpers, das gute Gehalt, die Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln in einem krisenfesten Job – das waren für die Schüler die entscheidenden Gründe. Lediglich eine Schülerin gab an, dass es für sie sehr schwer war, wegen der Pandemie in ihrem erlernten Beruf zu bleiben. „Den Beruf MTA-L halte ich für sehr zukunftssicher, interessant und vielfältig“, sagt Karina. „Zudem ist derzeit eine Online-Ausbildung mit Sicherheit besser als eine herkömmliche schulische Ausbildung.“ Dieser Meinung stimmten fast alle Befragten zu.

Über die MTA-Labor Schüler und die Labore

Insgesamt haben sich 27 Schüler entschlossen, ihre dreijährige Ausbildung für den gefragten Beruf der MTA-Labor in der zweigleisigen Ausbildung zu absolvieren.

Der praktische Teil der Ausbildung in den Laboren macht allen Schülern großen Spaß. „Die Arbeit ist vielfältig und abhängig von der jeweiligen Abteilung im Labor“, berichtet Karina aus Trier. Bei Hämatologie oder Mikrobiologie sei schon Fingerfertigkeit gefragt. Diese Fächer findet sie besonders interessant. „Mit nur theoretischen Know-how könnte ich die einzelnen Aspekte des Unterrichts gar nicht nachvollziehen“, ergänzt Irem aus Köln. „Die Ausbildung macht viel Spaß, aber man muss auf vieles sorgfältig achten, da man große Verantwortung trägt“.

Aus Köln bilden die Labore Dr. Wisplinghoff sechs Schüler aus, das Labor Dr. Quade vier. Die anderen Schüler*innen werden von den Ausbildungslaboren von Synlab in Leverkusen, Weiden (Oberpfalz), Berlin, Kassel, Dachau, Trier, Ettlingen und Augsburg ausgebildet.

„Die angehenden MTA-Labor sind ein großer Gewinn für ihre Labore. Denn diese bekommen neue Fachkräfte, die sie auf ihre eigenen Geräte schulen können“, sagt Dr. Scholz. Denn nicht erst seit der Covid-19-Pandemie werden qualifizierte MTA in diagnostischen Laboren, medizinischen Versorgungszentren (MVZ) und Kliniken händeringend gesucht. Die Job-Aussichten für MTA-L seien daher ausgesprochen gut.

Einige MTA-Schüler haben bereits ein Studium oder eine Ausbildung absolviert und wollten sich beruflich umorientieren. Viele Schüler kommen aber direkt nach dem Realschul-Abschluss, der Fachhochschulreife oder dem Abitur. Über eines ist Dr. Katrin Scholz sehr froh: Die MTA-L-Ausbildung sei nicht akademisiert worden. Denn man müsse kein Abitur haben, um MTA-Labor zur werden. Der Beruf eigne sich auch sehr gut für Schüler und Schülerinnen mit Fachoberschulreife und naturwissenschaftlichem Interesse.

Mehr Informationen zur MTA-L-Ausbildung 2.0 auf https://mta-schule.de/mta-werden/ausbildung-und-inhalte

Kontakt: RBZ Rheinisches Bildungszentrum Köln gGbmH, MTA-Schule, Dr. Katrin Scholz, Vogelsanger Str. 295, 50825 Köln, Tel.: 0221 54687-2120, E-Mail: sekretariat@rbz-koeln.de, https://mta-schule.de

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