Der Duft des Schweißens lag in der Luft

Odo Rumpf schweißte mit einem Absolventen ein Kunstwerk aus Metallresten im GBW Berufsbildungswerk Düren

Reges Interesse fand die Hausmesse „Schweißen – Treffpunkt für Profis“ im GBW Berufsbildungswerk Düren am 27. April 2012. Im Mittelpunkt standen die verschiedenen Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten für die auf dem Arbeitsmarkt sehr gefragten Metallfachleute. An den verschiedenen Ständen konnten Besucher die unterschiedlichen Schweißverfahren auf modernsten Maschinen erleben, mit den Firmen-Ausstellern und dem Deutschem Verband für Schweißen (DVS) ins Gespräch kommen oder das Schweißen unter realen Baustellenbedingungen nachverfolgen. In der Werkstatt und auf dem Außengelände: Überall lag der metallische Duft des Schweißens in der Luft. Hinweisschilder warnten: „Nicht in den Lichtbogen sehen“. Diejenigen, die genauer sehen wollten, wie die verschiedenen Firmenmitarbeiter und die Ausbilder um die Wette schweißten, mussten sich entweder ein Schweißerschutzschild anziehen oder von der Rückseite durch den verdunkelten Bereich einer Schweißbox zu schauen.

Zum Höhepunkt der Hausmesse gehörte die Kunst: Der bekannte Kölner Metallkünstler Odo Rumpf schweißte zusammen mit Jens Nadrowski (22) eine fantasievolle Metallskulptur aus der Schrottkiste der Ausbildungsstätte. Sein junger Assistent ist gelernter Konstruktionstechniker und wird in Kürze beim GBW Berufsbildungswerk die gefragte Zusatzqualifikation zum internationalen Schweißer absolvieren. Fasziniert verfolgten die Gäste, wie die beiden aus unterschiedlichen Metallabfällen, Übungsstücken aus der Werkstatt, einem ramponierten Einkaufswagen, Elektroschrott, Kabel, einem Motor und allerlei anderen Resten eine gut zwei Meter hohe vogelähnliche Skulptur auf zwei Beinen schweißten. Unter den Besuchern waren viele, die sich informieren wollten, vor allem wegen der guten Jobaussichten, die der Beruf des Schweißers verspricht. Sie alle verfolgten mit großer Spannung, wie das Kunstwerk immer mehr Form annahm.

Odo Rumpf ist diplomierter Maschinenbauingenieur von der RWTH Aachen. Seit 1991 ist er hauptberuflich als Künstler tätig und schweißt aus Stahl und rostigen Industriestücken Kunstwerke. Besonders bekannt ist Rumpfs Solarvogel, der an der Kölner Rheinpromenade steht. Auf der GBW-Hausmesse präsentiert Rumpf auch einige figürliche Objekte, die er aus seinem Kölner Freiluft-Atelier mitgebracht hatte. Hier bietet Rumpf auch Schweißkurse, allerdings für eine künstlerisch, kreative Tätigkeit an. „Interessant ist, dass meine Kurse vor allem von Frauen besucht werden“, berichtete Rumpf.

Ist Schweißen eine Männer-Domäne?

Ist Schweißen denn nicht eine reine Männer-Domäne? „Keinesfalls“, meint Werner Huhse, Technischer Leiter des GBW. In bestimmten Industriezweigen wie bei der Fertigung von Antennen für den Mobilfunk und im Kunsthandwerk seien Frauen beschäftigt. „Aber insgesamt gesehen sind die meisten Stellen für Schweißer von Männern besetzt“, sagt Reiner Gehrke, Niederlassungsleiter des GBW Berufsbildungswerk in Düren. Das Aufgabengebiet der Schweißer liegt in den metallverarbeitenden Unternehmen, wie Apparatebau, Karosseriebau, Brückenbau, Rohrleitungsbau oder im Heizungsbau. Metall ist ein schwerer Werkstoff und erfordert eine gewisse körperliche Konstitution, um den täglichen Umgang meistern zu können. Oft arbeiten geprüfte Schweißer draußen auf Baustellen oder gar in luftiger Höhe. Sie verbinden Metallteile und tragen damit zur Sicherheit der Konstruktion bei. Dabei nutzen sie eine Vielzahl von unterschiedlichen Schweißverfahren, wie das Schutzgasschweißen oder Lichtbogenhandschweißen. Diese und andere Techniken können beim GBW Berufsbildungswerk in modularen Ausbildungen erlernt werden. Die Kurse dauern zwischen 26 und 36 Wochen und enden mit der berufsqualifizierenden Prüfung. Das GBW bietet auch spezielle Trainings in Firmen an. „Handwerkliches Geschick, das Gefühl von Hand und Kopf, wie ein Schmelzprozess etwas zusammenfügt, ausgeprägtes räumliches Vorstellungsvermögen und Belastbarkeit sind die Vorrausetzungen für einen Schweißer oder für eine Schweißerin“, sagt Gehrke. Bei einem kostenlosen Probeschweißen mit Eingangsanalyse können alle Interessierte prüfen, ob sie sich für diesen Beruf eignen und ob eine Förderung durch die Agentur für Arbeit möglich ist. Denn die Berufsaussichten für geprüfte internationale Schweißer sind Spitze: „Die Branche boomt, es herrscht Fachkräftemangel. Gute Fachleute werden händeringend gesucht“, erklärt Gehrke. Mit der Fertigstellung der Skulptur war in Düren die Veranstaltung noch nicht beendet.

Das Kunstwerk soll aufgestellt werden. Schon aus Sicherheitsaspekten müssen die bei der Montage entstandenen Schweißnähte penibel kontrolliert werden und teilweise sauber nachverschweißt werden. Reiner Gehrke ließ es sich nicht nehmen, zog entsprechende Schutzkleidung an und legte in voller Montur nochmals selber Hand an. Die Freude am Schweißen war dem Niederlassungsleiter deutlich anzusehen. Informationen: GBW Berufsbildungswerk Köln gGmbH www.gbw.de

Das GBW Berufsbildungswerk Köln gGmbH ist eine eine Bildungseinrichtung für Jugendliche und Erwachsene, die durch Umschulungen, Qualifizierungen, Orientierungslehrgänge und Integrationsprojekte in gewerblich-technischen Arbeitsfeldern ihre beruflichen Chancen verbessern möchten. Das GBW engagiert sich als gemeinnützige Institution im Verbund der Rheinischen Stiftung für Bildung, Wissenschaft und berufliche Integration.

This entry was posted in GBW Berufsbildungswerk Köln. Bookmark the permalink.

Comments are closed.